Cannondale: Rennrad mit Licht und Radar Bjoern Haenssler

Erster Test: Cannondale Synapse SmartSense

Neues Cannondale Synapse Cannondale: Rennrad mit Licht und Radar

Mutiger Schritt von Cannondale: Die US-Amerikaner bieten ihr Endurance-Modell Synapse ab sofort ausschließlich mit fest installierter Beleuchtung und Garmins Radar an. Wir sind das Rad schon gefahren.

Mit einer fest installierten Lichtanlage reagiert Cannondale auf den auch hierzulande zu beobachtenden Umstand, dass Rennradfahrende immer häufiger auch tagsüber mit Licht unterwegs sind, um besser gesehen zu werden. Reflektierende Sitzstreben verbessern die Sichtbarkeit zusätzlich.

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Fünf Ausführungen in je sechs Größen bringt Cannondale auf den Markt – alle kommen mit Shimano- Ausstattung. Im Bild das von ROADBIKE getestete Synapse Carbon 2 RL – mit mechanischer Shimano-Ultegra, Fulcrum-Laufrädern und Alu-Anbauteilen für 4499 Euro zu haben.

SmartSense-System

Doch Cannondales neues Synapse kann mehr als "nur" sichtbar zu sein: Das SmartSense-System setzt sich insgesamt aus fünf Elementen zusammen – dazu zählen neben der Lichtanlage auch Garmins Radar, das permanent alle Bewegungen hinter dem Fahrer scannt.

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Die Rückleuchte und Garmins Radar - wer ein Satteltäschchen montieren will, kann einen Adapter verwenden.

LED-Leuchten am Lenker oder ein gekoppelter Radcomputer zeigen so auf bis zu 140 Meter Entfernung an, wenn sich von hinten Autos nähern.

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LED-Leuchten am Lenker oder ein kompatibler Radcomputer zeigen an, ob sich Autos von hinten nähern.

Energie erhalten die Komponenten von einem gemeinsamen Akku, der am Unterrohr sitzt und bei Nutzung von Radar und Lichtanlage in höchster Leuchtstufe ca. drei Stunden hält. Energieintensiv ist insbesondere die Frontleuchte – reduziert man diese z.B. auf das Tagfahrlicht, steigt die Akku-Laufzeit sprunghaft an.

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Der Akku, der das SmartSense-System mit Energie versorgt.

Die StVZO-konforme Beleuchtung stammt übrigens von Lezyne. Das SmartSense-System lässt sich über eine Cannondale-eigene App steuern und/oder mit kompatiblen Radcomputern koppeln. Per Handyknopfdruck schaltet man die einzelnen Komponenten ein oder aus, reguliert manuell die Leuchtstufe oder aktiviert eine automatische Helligkeitsanpassung. Ein fest installierter Bewegungssensor an der Vordernabe weckt das System auf.

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Die Frontleuchte von Lezyne kennt verschiedene Leuchtmodi, z.B. Tagfahrlicht.

Doch auch über das Rahmenset gibt es neues zu berichten: Die Geometrie entspricht der des bekannten Synapse, neu sind die teils aerodynamischen Querschnitte der Rohre in Anlehnung an den Aero-Boliden SystemSix. Der Hersteller verspricht acht Prozent mehr Dämpfungskomfort als bisher. 35 Millimeter Reifenfreiheit erlauben zudem auch leichte Schottertouren mit dem Rad. Ein Hingucker ist auch die Rahmenfarbe im Glitzerlook, die je nach Lichteinfall mal grün, mal violet schimmert.

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35 mm Reifenfreiheit und Ösen für Schutzbleche am Cannondale Synapse.

Fünf Ausführungen des neuen Synapse bringt Cannondale in je sechs Größen und ab 3499 Euro auf den europäischen Markt – alle kommen mit Shimano- Ausstattung.

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Wieder häufiger zu sehen: klassisch eingeschraubte Lager.

Für Diskussionen dürfte sorgen, dass es für Kunden keine Option geben wird, das Synapse "nackt" zu ordern, also ohne Beleuchtung und Radar. Sportlich ambitionierte Langstreckenfans und Marathonisti sowie Gewichtsfetischisten wird dies womöglich enttäuschen, sicherheitsorientierte Fahrerinnen und Fahrer sowie Pendler oder Randonneure hingegen erfreuen, zumal am Rahmen zahlreiche Ösen die Montage von Schutzblechen und Bikepackingtaschen erlauben.

Erster Praxistest

Bei ersten ausgiebigen Testfahrten mit dem Synapse Carbon 2 RL – mit mechanischer Shimano Ultegra, Fulcrum-Laufrädern und Alu-Anbauteilen für 4499 Euro zu haben – gefiel der durchaus sportliche Charakterdes 9,1-Kilo-Renners (Größe 58). Klar, die Laufruhe ist ausgeprägt, die Sitzposition entspannt, insbesondere durch die hohe Front mit langem Steuerrohr. Dank des steilen Lenkwinkels (73,3°) und nur 56 Millimeter Gabelnachlauf gibt sich das Rad dennoch agil und beschleunigt auch sehr ordentlich. Die 30 Millimeter breiten Vittoria Rubino Pro-Reifen überzeugen mit guter Dämpfung und viel Grip in Kurven, rollen aber etwas zäh.

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Langstreckentaugliche Sitzposition, dennoch sportlich: Cannondale Synapse.

Die (Dauer-)Beleuchtung vermittelt das angenehme Gefühl guter Sichtbarkeit, die Integration der Bauteile könnte jedoch etwas eleganter sein. Langstreckentauglich ist die Akku-Laufzeit nur bei reduzierter Leuchtkraft, über den Sinn des Radarsystems lässt sich streiten: Zwar ist es gut zu wissen, wenn sich von hinten ein Fahrzeug nähert. Doch ob dieses mit ausreichend oder zu wenig Seitenabstand überholt, zeigt das Radar nicht an, eine echte Handlungsoption ergibt sich für den Radfahrer so nicht.

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Die Rahmenfarbe im Glitzerlook varriiert je nach Lichteinfall.

Kleiner Wermutstropfen: Im Wiegetritt berührt man mit den Knien schnell Bremsleitungen und Schaltzughüllen, die von Cannondale zusammengeklebt und in ausladendem Bogen ins Unterrohr geführt werden. Natürlich verhindert diese Lösung enge Radien und Knickstellen, doch spätestens nach der dritten Berührung im Wiegetritt, kann das nerven.

Fazit

Fehlenden Mut und Innovationsgeist kann man Cannondale kaum vorwerfen, und grundsätzlich kann niemand etwas dagegen haben, im Straßenverkehr gut sichtbar zu sein. Dennoch dürfte das neue Synapse SmartSense polarisieren. Seine Fans wird es aber finden, schließlich ist es ein ausgereifter Endurance-Renner.

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Cannondale Synpase Carbon 2 RL
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