Steigen die Bike-Preise 2023 - Update September 22

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    Warum die Bike-Preise auch 2023 steigen

    Ukraine-Konflikt, Rohstoffknappheit, Corona, Inflation: die Fahrradpreise steigen weiter. Wir wagen einen Ausblick auf das Jahr 2023.

    Male owner repairing bicycle of senior customer while colleague working on bike at workshop
    Foto: Getty Images / Maskot
    In diesem Artikel:
    • Update September 2022:
    • Februar 2022
    • Fahrrad Preisentwicklung – die Industrie-Perspektive
    • Fahrrad Preisentwicklung – das sind die Gründe
    • Höhere Preise auch 2023?
    • Fazit

    Update September 2022:

    Steigt die Preisspirale im Fahrradmarkt weiter? Wirkt sich das auf die Preisentwicklung des Fahrradmarktes weiterhin eklatant aus oder sind die Preissteigerungen für die 2023er Modelle eher homöopathischer Natur?

    Fußend auf den einerseits nicht gerade frohlockenden weltweiten Zukunftsaussichten und der nach wie vor schleppenden Lieferfähigkeit geht die Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes im Handel inzwischen allmählich zurück, wie man hinter vorgehaltener Hand vom einen oder anderen Marktteilnehmer im Rahmen der Fahrradleitmesse Eurobike erfahren konnte. Das dürfte in einer sozialen Marktwirtschaft, deren Preisstruktur sich nach Angebot und der Nachfrage ausrichten, die Preise eigentlich eher purzeln lassen.

    Aktuelle Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2022 lassen sich nur schwer verifizieren: Der erneute Blick aufs Online-Portal Idealo.de, das in einem Bericht vom 02.Juni 2022 die Preisentwicklung fürs erste Halbjahr 2022 bereits inkludierte, zeigt eine Tendenz nach unten: Lag der Durchschnittspreis im Onlinehandel für ein Fahrrad laut Bericht vom 02.Juni 2022 bei Idealo bei 1448 Euro, kostete ein Fahrrad durchschnittlich – über alle Radgattungen hinweg – im Mai bei 1407 Euro. Ob diese Zahlen als Basis für eine Prognose 2023 dienen können, ist fraglich. Sind es zum einen die erschwerten Rahmenbedingungen, erweckt die Preisgestaltung der Hersteller – unter Berücksichtigung der bisherigen hohen Nachfrage – fast den Eindruck, dass die Marge nicht hoch genug sein kann. Frei nach dem Motto: Die Räder werden uns sowieso aus den Händen gerissen… Bedenken muss man aus Herstellersicht aber auch, dass für die Hersteller nicht nur die unmittelbaren Produktionskosten gestiegen sind, auch die Komponenten müssen teurer als sonst eingekauft werden, und temporäre Ausfälle sind kurzfristig zu kompensieren. Fällt eine Charge Antriebskomponenten weg, wird’s automatisch teurer, auch wenn die dann ersatzweise verbauten Komponenten zwangsläufig aus dem Bückregal kommen.

    Schaut man sich stichprobenartig die Preisgestaltung fürs 2023er Modelljahr an, so fällt auf, dass teilweise heftig an der Preisschraube gedreht wurde. Mitunter betragen die Preisunterschiede der UVPs beim Modellwechsel von 2022 auf 2023 für ein und dasselbe Modell, man spricht vom Durchläufer, zwischen 500 und 700,- €, wie uns ein Insider mitteilte. Dies entspricht im Beispielsfall einer Preissteigerung von wiederum 15%. Der Leidtragende derartiger Preisgestaltung neben dem interessierten Kunden ist der Händler, der damit irgendwie zurechtkommen muss.

    Dabei hat sich die Gesamtsituation jedoch ein wenig entspannt: Die für den Fahrradmarkt wichtigen Containerkosten fielen mit Blick auf den World Container Index: Kostete der Container von Shanghai nach Rotterdam zu Jahresanfang noch knapp 14000 US-Dollar, wird aktuell für diesen noch 6000 US-Dollar aufgerufen. Ein Lichtblick.

    Auch die Verfügbarkeit der Räder ist (aufgrund einer inzwischen eingetretenen leichten Marktsättigung?) wieder besser. Das berichtet auch der ZIV in seinem jüngsten Bericht: Im ersten Halbjahr wurden nur 3% Fahrräder und 1% E-Bikes weniger produziert als im Vorjahreszeitraum. Interessanterweise werden gerade hochwertige Fahrräder bzw. Pedelecs besser verkauft als im Vorjahreszeitraum, das liegt gegebenenfalls an den Offerten der monatlichen Ratenzahlung, die die Leasingverträge bieten. Die inflationsbedingte Kaufzurückhaltung, so der ZIV, beträfe in erster Linie Räder im günstigen Preissegment und im Aftermarket, also bei Teilen und Zubehör.

    Dennoch versprechen die Rahmenbedingungen keinen Anlass zur Besserung: Die weltwirtschaftliche Lage spitzt sich nach wie vor zu, die durch den Ukraine-Konflikt hervorgerufene Energiekrise dürfte im kommenden Winter vor allem die produzierende Wirtschaft und Privathaushalte in ganz Europa treffen. Auch die Corona-Krise hält die Welt nach wie vor in Atem und verursacht temporäre Stilllegungen ganzer Betriebe, vor allem im Asiatischen Raum. So fehlt derzeit bei der Abfertigung der Container in vielen Häfen schlichtweg gesundes Personal, um die Umschläge weiterzubringen. Dazu kommen jüngst auch noch Naturkatastrophen wie das Erdbeben in Taiwan: gerade hier lässt die Fahrradindustrie sehr viel produzieren.

    Laut ZIV ist die Situation der Lieferung von Antriebskomponenten für E-Bikes derzeit nach wie vor heikel. Dazu kommt eine veränderte Marktsituation: Etliche Unternehmen kehren dem chinesischen Markt den Rücken und verlegen in andere asiatische Billiglohnländer mit bereits vorhandenem Knowhow ihre Produktionsstätten. Das benötigt einen langen Atem bis zum reibungslosen Produktionsablauf.

    Neben vielfältigen Lieferproblemen, coronabedingten eingeschränkten Arbeitsbedingungen und der steigenden Inflation sorgt die weltweite Unsicherheit nicht gerade für eine Entspannung der wirtschaftlichen Situation. Und dennoch könnte das Fahrrad in Zeiten von Energieverknappung als verhältnismäßig preisgünstigstes Mobilitätsmittel am Ende als Sieger hervorgehen.

    Wir bleiben dran.

    Februar 2022

    Stolze 15 Prozent – um so viel ist der Preis für ein Fahrrad laut den Marktforschern des Online-Portals Idealo.de seit 2019 gestiegen. Lag der Durchschnittspreis damals noch bei etwa 1010 Euro, kostete ein Rad im Jahr 2021 rund 1160 Euro – so das Ergebnis des Preisvergleichs. Idealo ist nicht die einzige Adresse, die von dieser Entwicklung berichtet. Der Zweirad-Industrie-Verband beziffert den Anstieg des durchschnittlichen Verkaufspreises von Fahrrädern sogar auf 1279 Euro – er liegt damit stramme 38 Prozent höher als noch im Vorjahr.

    Fahrrad Preisentwicklung – die Industrie-Perspektive

    Auch die Industrie berichtet von steigenden Preisen. So teilt etwa der spanische Radhersteller BH Bikes auf Nachfrage von KARL mit, dass man die Preise 2022 erhöhen musste. Auch bei der deutschen Marke Bombtrack gibt man bekannt, dass man nach einer Erhöhung von rund zehn Prozent im Jahr 2021 auch 2022 die Preise anpassen werde. Beim US-Unternehmen Salsa beziffert man den Anstieg für die diese Saison auf rund fünf Prozent. Und auch bei KTM in Österreich gebe es je nach Modell Änderungen nach oben, wie Pressesprecher Matthias Grick mitteilt: "Grundsätzlich kann man sagen, dass die Preiserhöhung jedes Segment betrifft", sagt er.

    Die Ursachen liegen nach Aussagen der Hersteller in den aktuellen Entwicklungen auf dem Weltmarkt begründet – und betreffen deshalb die komplette Fahrradbranche. "Die Pandemie mit ihren diversen Lockdowns in vielen asiatischen Zulieferländern ist ein großer Grund für den generellen Mangel an allem. Dazu kommt ein gewaltiger Rohstoffmangel bei Stahl, Gummi und Holz. Auch der Preis für Containerlieferungen hat sich mindestens verfünffacht. Und dazu kommt die hohe Nachfrage", erklärt beispielsweise Bombtrack-Gründer Manuel Schürholz.

    Fahrrad Preisentwicklung – das sind die Gründe

    Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie, Rohstoffmangel, Lieferpreise – im Folgenden haben wir die wichtigsten Gründe für die steigenden Preise von Fahrrädern im Jahr 2022 aufgelistet und ausführlich erklärt.

    Coronavirus-Pandemie

    Die Folgen der Coronavirus-Pandemie sind für die Weltwirtschaft drastisch: Lieferungen von Rohstoffen verzögern sich, Produktionen kommen zum Erliegen und die Warenverfügbarkeit sinkt. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln beziffert den Wertschöpfungsverlust allein für das zweite Halbjahr 2021 auf rund 30 Milliarden Euro.

    Rohstoffmangel

    Eine direkte Konsequenz von Lockdowns und Co. ist die Knappheit von Rohstoffen. Während es in der Baubranche an Holz mangelt, fehlt es in der Elektronikindustrie an Mikrochips. Und im Automobilbau sind fehlende Halbleiter für eine gebremste Entwicklung verantwortlich. In der Fahrradbranche betrifft dies besonders Aluminium und Stahl.

    Steigende Rohstoffpreise

    Wenn Waren knapp sind, steigen die Preise. Dieses Grundprinzip der Wirtschaft lässt sich direkt auf die für den Fahrradbau benötigten Rohstoffe übertragen. Im Aluminiumbereich werden je nach Zeitraum über die letzten Monate so rund 40 Prozent Preisanstieg vermeldet. Beim Stahl sind es sogar bis zu 300 Prozent. Wie angespannt die Situation ist, zeigt ein Blick auf den Schrotthandel: Selbst bei den Schrottplätzen stehen die Produzenten derzeit Schlange, um alte Stahlprodukte abzuholen und deren Rohmaterial neu zu verwenden. Seit November 2020 sind auch die Preise für Stahlschrott um 80 Prozent gestiegen.

    Höhere Lieferkosten

    Transportkapazitäten sind extrem knapp, Containerlaufzeiten sind selbst innereuropäisch massiv länger geworden, und viele weitere Aspekte beeinflussen die Lieferketten. Die Branchenanalysten der Organisation "Drewry" nannten in ihrem World Container Index, der Frachtraten von Schiffen auf der ganzen Welt abbildet, im Jahr 2021 zwischenzeitlich einen Preis von rund 14.000 US-Dollar für einen Container-Transport von Asien nach Europa. Zum Vergleich: Noch vor einem Jahr hätte ein Containertransport von Asien nach Nordeuropa nicht einmal 4.000 US-Dollar gekostet.

    Die hohe Nachfrage nach Fahrrädern

    Wenn Waren knapp sind, steigen die Preise – das gilt zu guter Letzt auch für das Fahrrad selbst. Fahrräder erfreuen sich einer nie dagewesenen Beliebtheit – und das weltweit. Die Konsequenz: Die internationale Nachfrage nach Fahrrädern übersteigt die Kapazität, und dementsprechend sind Fahrradkomponenten zum Bau dieser Fahrräder ebenfalls sehr begehrt.

    Inflation

    Aufgrund der aktuellen weltwirtschaftlichen Situation kämpfen die Märkte mit allgemein steigenden Kosten – Stichwort Inflation. Im Vorjahresvergleich kletterte die Teuerungsrate von 4,6 Prozent (letztes Quartal 2021) auf 6,1 Prozent (erstes Quartal 2022).

    Höhere Preise auch 2023?

    Aufgrund dieser Entwicklungen liegt es nahe, dass die Preise für Fahrräder auch im Jahr 2023 ansteigen werden. In der Tat sagte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni vor kurzem: "Der Krieg hat zu einem rasanten Anstieg der Energiepreise und weiteren Unterbrechungen der Lieferketten geführt, sodass wir nun längerfristig mit einer höheren Inflation rechnen müssen." Für das Euro-Währungsgebiet werde eine Inflation von 6,1 Prozent im Jahr 2022 erwartet, die dann im Jahr 2023 auf 2,7 Prozent sinken dürfte. Für das Jahr 2022 sei dies gegenüber der Zwischenprognose vom Winter 2022 (3,5 Prozent) eine deutliche Korrektur nach oben, so die EU-Wirtschaftskommission.

    Neben der Inflation dürften die Teuerungsraten in der Fahrradbranche auch noch andere Gründe antreiben. Neben den bereits zuvor aufgeführten Faktoren sind steigende Löhne im Fahrradproduktionsland Taiwan, weiterhin hohe Rohstoffpreise sowie Probleme in der Lieferkette durch Lockdowns und deren Folgen auch für 2023 zu erwarten. Immerhin gibt es ein Licht am Ende des Tunnels: Der World Container Index gibt inzwischen an, dass die Container-Preise wieder sinken. Derzeit kostet ein Transport von Asien nach Nordeuropa "nur noch" rund 7.500 US-Dollar.

    Fazit

    Fest steht: Sollte sich die Lage auf den Weltmärkten nicht entspannen, warnen die Hersteller gar vor weiteren Erhöhungen noch im Laufe der Saison 2022. Daher der Rat: wer in diesem Jahr kaufen will, sollte sich beeilen.
    Ein Ende des Preismarathons im Fahrradbereich sei gemäß der aktuellen Entwicklungen erst im Laufe des Verkaufsjahres 2024 zu erwarten.

    Die aktuelle Ausgabe
    Karl 2/22 / 2022

    Erscheinungsdatum 06.07.2022