Male owner repairing bicycle of senior customer while colleague working on bike at workshop Getty Images / Maskot

Warum die Bike-Preise auch 2023 steigen

Besser JETZT kaufen! Warum die Bike-Preise auch 2023 steigen

Ukraine-Konflikt, Rohstoffknappheit, Corona, Inflation: die Fahrradpreise steigen weiter. Wir wagen einen Blick auf das Jahr 2023.

Stolze 15 Prozent – um so viel ist der Preis für ein Fahrrad laut den Marktforschern des Online-Portals Idealo.de seit 2019 gestiegen. Lag der Durchschnittspreis damals noch bei etwa 1010 Euro, kostete ein Rad im Jahr 2021 rund 1160 Euro – so das Ergebnis des Preisvergleichs. Idealo ist nicht die einzige Adresse, die von dieser Entwicklung berichtet. Der Zweirad-Industrie-Verband beziffert den Anstieg des durchschnittlichen Verkaufspreises von Fahrrädern sogar auf 1279 Euro – er liegt damit stramme 38 Prozent höher als noch im Vorjahr.

Fahrrad Preisentwicklung – die Industrie-Perspektive

Auch die Industrie berichtet von steigenden Preisen. So teilt etwa der spanische Radhersteller BH Bikes auf Nachfrage von KARL mit, dass man die Preise 2022 erhöhen musste. Auch bei der deutschen Marke Bombtrack gibt man bekannt, dass man nach einer Erhöhung von rund zehn Prozent im Jahr 2021 auch 2022 die Preise anpassen werde. Beim US-Unternehmen Salsa beziffert man den Anstieg für die diese Saison auf rund fünf Prozent. Und auch bei KTM in Österreich gebe es je nach Modell Änderungen nach oben, wie Pressesprecher Matthias Grick mitteilt: "Grundsätzlich kann man sagen, dass die Preiserhöhung jedes Segment betrifft", sagt er.

Die Ursachen liegen nach Aussagen der Hersteller in den aktuellen Entwicklungen auf dem Weltmarkt begründet – und betreffen deshalb die komplette Fahrradbranche. "Die Pandemie mit ihren diversen Lockdowns in vielen asiatischen Zulieferländern ist ein großer Grund für den generellen Mangel an allem. Dazu kommt ein gewaltiger Rohstoffmangel bei Stahl, Gummi und Holz. Auch der Preis für Containerlieferungen hat sich mindestens verfünffacht. Und dazu kommt die hohe Nachfrage", erklärt beispielsweise Bombtrack-Gründer Manuel Schürholz.

Fahrrad Preisentwicklung – das sind die Gründe

Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie, Rohstoffmangel, Lieferpreise – im Folgenden haben wir die wichtigsten Gründe für die steigenden Preise von Fahrrädern im Jahr 2022 aufgelistet und ausführlich erklärt.

Coronavirus-Pandemie

Die Folgen der Coronavirus-Pandemie sind für die Weltwirtschaft drastisch: Lieferungen von Rohstoffen verzögern sich, Produktionen kommen zum Erliegen und die Warenverfügbarkeit sinkt. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln beziffert den Wertschöpfungsverlust allein für das zweite Halbjahr 2021 auf rund 30 Milliarden Euro.

Rohstoffmangel

Eine direkte Konsequenz von Lockdowns und Co. ist die Knappheit von Rohstoffen. Während es in der Baubranche an Holz mangelt, fehlt es in der Elektronikindustrie an Mikrochips. Und im Automobilbau sind fehlende Halbleiter für eine gebremste Entwicklung verantwortlich. In der Fahrradbranche betrifft dies besonders Aluminium und Stahl.

Steigende Rohstoffpreise

Wenn Waren knapp sind, steigen die Preise. Dieses Grundprinzip der Wirtschaft lässt sich direkt auf die für den Fahrradbau benötigten Rohstoffe übertragen. Im Aluminiumbereich werden je nach Zeitraum über die letzten Monate so rund 40 Prozent Preisanstieg vermeldet. Beim Stahl sind es sogar bis zu 300 Prozent. Wie angespannt die Situation ist, zeigt ein Blick auf den Schrotthandel: Selbst bei den Schrottplätzen stehen die Produzenten derzeit Schlange, um alte Stahlprodukte abzuholen und deren Rohmaterial neu zu verwenden. Seit November 2020 sind auch die Preise für Stahlschrott um 80 Prozent gestiegen.

Höhere Lieferkosten

Transportkapazitäten sind extrem knapp, Containerlaufzeiten sind selbst innereuropäisch massiv länger geworden, und viele weitere Aspekte beeinflussen die Lieferketten. Die Branchenanalysten der Organisation "Drewry" nannten in ihrem World Container Index, der Frachtraten von Schiffen auf der ganzen Welt abbildet, im Jahr 2021 zwischenzeitlich einen Preis von rund 14.000 US-Dollar für einen Container-Transport von Asien nach Europa. Zum Vergleich: Noch vor einem Jahr hätte ein Containertransport von Asien nach Nordeuropa nicht einmal 4.000 US-Dollar gekostet.

Die hohe Nachfrage nach Fahrrädern

Wenn Waren knapp sind, steigen die Preise – das gilt zu guter Letzt auch für das Fahrrad selbst. Fahrräder erfreuen sich einer nie dagewesenen Beliebtheit – und das weltweit. Die Konsequenz: Die internationale Nachfrage nach Fahrrädern übersteigt die Kapazität, und dementsprechend sind Fahrradkomponenten zum Bau dieser Fahrräder ebenfalls sehr begehrt.

Inflation

Aufgrund der aktuellen weltwirtschaftlichen Situation kämpfen die Märkte mit allgemein steigenden Kosten – Stichwort Inflation. Im Vorjahresvergleich kletterte die Teuerungsrate von 4,6 Prozent (letztes Quartal 2021) auf 6,1 Prozent (erstes Quartal 2022).

Höhere Preise auch 2023?

Aufgrund dieser Entwicklungen liegt es nahe, dass die Preise für Fahrräder auch im Jahr 2023 ansteigen werden. In der Tat sagte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni vor kurzem: "Der Krieg hat zu einem rasanten Anstieg der Energiepreise und weiteren Unterbrechungen der Lieferketten geführt, sodass wir nun längerfristig mit einer höheren Inflation rechnen müssen." Für das Euro-Währungsgebiet werde eine Inflation von 6,1 Prozent im Jahr 2022 erwartet, die dann im Jahr 2023 auf 2,7 Prozent sinken dürfte. Für das Jahr 2022 sei dies gegenüber der Zwischenprognose vom Winter 2022 (3,5 Prozent) eine deutliche Korrektur nach oben, so die EU-Wirtschaftskommission.

Neben der Inflation dürften die Teuerungsraten in der Fahrradbranche auch noch andere Gründe antreiben. Neben den bereits zuvor aufgeführten Faktoren sind steigende Löhne im Fahrradproduktionsland Taiwan, weiterhin hohe Rohstoffpreise sowie Probleme in der Lieferkette durch Lockdowns und deren Folgen auch für 2023 zu erwarten. Immerhin gibt es ein Licht am Ende des Tunnels: Der World Container Index gibt inzwischen an, dass die Container-Preise wieder sinken. Derzeit kostet ein Transport von Asien nach Nordeuropa "nur noch" rund 7.500 US-Dollar.

Fazit

Fest steht: Sollte sich die Lage auf den Weltmärkten nicht entspannen, warnen die Hersteller gar vor weiteren Erhöhungen noch im Laufe der Saison 2022. Daher der Rat: wer in diesem Jahr kaufen will, sollte sich beeilen.
Ein Ende des Preismarathons im Fahrradbereich sei gemäß der aktuellen Entwicklungen erst im Laufe des Verkaufsjahres 2024 zu erwarten.

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