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Kommentar: Zeitenwende in der Mobilität

Hohe Benzinpreise & Co. Zeitenwende in der Mobilität

Eine Energiepreispauschale soll die Lösung für die hohen Spritpreise sein. Die Radinfrastruktur findet dagegen kaum Beachtung.

Die Ampelkoalition hat gehandelt. Als Reaktion auf die in Folge des Krieges in der Ukraine gestiegenen Benzinpreise gibt es für Bundesbürger eine Energiepreispauschale von 300 Euro. Diese soll im laufenden Jahr einmalig über die Einkommenssteuer abgerechnet werden. Zudem soll ein auf drei Monate begrenztes, stark vergünstigtes Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr kommen. Und auch der Spritpreis soll in den nächsten drei Monaten durch Steuervergünstigungen sinken. Zwar handelt es sich hier um eine kurzfristige Symptombekämpfung, dennoch ist diese Lösung aus Radfahrersicht enttäuschend. Das Fahrrad als günstige und umweltfreundliche Mobilitätsalternative kommt in der Debatte um die hohen Benzinpreise nämlich so gut wie gar nicht vor. Und das, obwohl doch gerade jetzt der perfekte Zeitpunkt wäre, eine nachhaltige Bewegung zu starten. Eine Bewegung, um den Mobilitätsmix in Deutschland umweltfreundlicher zu gestalten.

In gewisser Weise ist es doch so: Seit Jahren liegt das Thema Radinfrastruktur auf dem Tisch – und wird dennoch nur mit minimalem Aufwand verfolgt. Dabei ist der Ausbau von Radwegen und Co. längst überfällig. Und das nicht allein wegen der aktuell hohen Spritpreise. Die Klimaerwärmung schreitet mit Rekordtempo voran, gleichzeitig wird der Platz in den Städten immer knapper. Dennoch sind nur drei Prozent aller urbanen Verkehrsflächen Radwege. 60 Prozent entfallen dagegen auf Autos. Autos, die wohlgemerkt 23 Stunden am Tag nur herumstehen – und Platz und Sprit benötigen. Initiativen wie die zahlreichen Radverkehrsentscheide in Deutschland ändern diese Situation zwar – aber angesichts der Dominanz des Autos im Autoland Deutschland erreichen sie ihre Ziele nur langsam.

Dabei ist das Fahrrad aktueller denn je, wie zuletzt der Fahrradboom während der Coronavirus-Pandemie gezeigt hat. Immerhin: Der im vergangenen Jahr verabschiedete Nationale Radverkehrsplan soll die gefahrenen Radkilometer bis zum Jahr 2030 deutlich erhöhen – und zu einer Einsparung von drei bis vier Millionen Tonnen CO2 pro Jahr führen. Dennoch bekommt man in diesen Tagen den Eindruck, dass die Arbeit für die Verantwortlichen damit getan ist. Warum sonst wurden der Mobilitätsmix und das Fahrrad als Verkehrsalternative in der Diskussion um die hohen Energiepreise der vergangenen Wochen so gut wie gar nicht thematisiert?

So oder so: Es reicht ein Blick an die Zapfsäulen, um zu verstehen, warum die Menschen derzeit mehr denn je mit dem Fahrrad unterwegs sind. Und sehr wahrscheinlich steigen nun auch viele Menschen um, die dies während der Corona-Pandemie noch nicht gemacht haben. Es wäre also der perfekte Zeitpunkt, um auch von Regierungsseite aus ein Signal zu setzen. Ein Signal für den Radverkehr – und für eine Zeitenwende in der Mobilität.

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