Bicycle Sign On Asphalt On A Bike Road In A Night City Getty Images / Lena Ivanova / EyeEm

Benutzungspflicht: Muss ich auf dem Radweg fahren?

Radwege-Benutzungspflicht Muss ich auf dem Radweg fahren?

Nicht jeder Radweg verdient seinen Namen. Entsprechend verlockend ist es manchmal, auf der Straße zu bleiben. Doch darf man das? Hier findest du die Antwort.

Ein lautes Hupen von hinten – jede Radfahrerin und jeder Radfahrer kennt diese Situation. Sobald man sich mit dem Autoverkehr die Straße teilt, sind Konflikte vorprogrammiert. Das gilt besonders, wenn am Streckenrand ein zusätzlicher Radweg verläuft. Denn nicht immer muss dieser von Radfahrenden auch benutzt werden – eine Situation, die bei vielen Autofahrerinnen und Autofahrern auf Unverständnis stößt. Die Folge: Radelnde werden "angehupt" oder im schlimmsten Fall sogar gefährdet – etwa durch zu knappes Überholen. Doch welche Radwege müssen eigentlich benutzt werden? Und unter welchen Umständen darf man als Radfahrerin bzw. Radfahrer trotz eines vorhandenen Radwegs auf der Straße fahren? Diese Fragen wollen wir in diesem Artikel klären.

Radwege mit Benutzungspflicht

237, 240, 241 sind drei Ziffern, die jeder Radfahrende kennen sollte. Sie stehen nämlich für die drei Verkehrszeichen, die klar die Benutzung eines Radwegs vorschreiben. Zeichen 237 ist das typische runde Symbol mit blauem Hintergrund und einem weißen Fahrrad. Es zeigt an, dass es sich bei einem Weg um einen Radweg handelt, der definitiv benutzt werden muss. Zeichen 240 steht wiederum für einen gemeinsamen Geh- und Radweg. Nicht umsonst zeigt das blaue Schild im oberen Teil eine weiße Fußgängerin mit Kind sowie im unteren Teil ein Fahrrad. Auch hier ist eine Nutzung vorgeschrieben. Dasselbe gilt bei Zeichen 241, das in der linken Hälfte ein Fahrrad und in der rechten Hälfte eine Fußgängerin mit Kind zeigt. Seine Bedeutung: Bei diesem Weg handelt es sich um einen getrennten Geh- und Radweg. Damit ist klar: Alle Wege, die mit einem dieser Verkehrszeichen ausgewiesen werden, sind benutzungspflichtig und müssen auch benutzt werden.

Wichtig: Es gibt auch Ausnahmen. Und zwar dann, wenn ein Weg objektiv unbenutzbar ist. Dies kann der Fall sein, wenn der Weg vereist, von Pflanzen überwuchert, von Baumwurzeln beschädigt oder von falsch parkenden Fahrzeugen blockiert ist.

Radwege ohne Benutzungspflicht

Neben den Radwegen mit Benutzungspflicht, die durch die typischen blauen Verkehrsschilder ausgewiesen sind, gibt es auch Radwege ohne Benutzungspflicht. Auf diesen Strecken kannst du selbst entscheiden, ob du lieber auf dem Radweg oder auf der Straße fährst. Sie werden als Radweg ohne Benutzungspflicht bezeichnet.

Hierzu ein Zitat aus der StVO (§2, Absatz 4): "Eine Pflicht, Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung zu benutzen, besteht nur, wenn dies durch Zeichen 237, 240 oder 241 angeordnet ist. Rechte Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen benutzt werden. Linke Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen nur benutzt werden, wenn dies durch das allein stehende Zusatzzeichen "Radverkehr frei" angezeigt ist.

Die StVO klärt also sehr akkurat, wann es sich um einen Radweg ohne Benutzungspflicht handelt. Rechte Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 sind dementsprechend freiwillige Radwege. Linke Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 müssen für die Benutzung entsprechend gekennzeichnet sein.

Ähnlich, aber anders: Radfahrstreifen und Schutzstreifen

In die Kategorie der benutzungspflichtigen Radwege fällt wiederum der Radfahrstreifen, der gewöhnlich durch das Zeichen 237 sowie eine durchgezogene weiße Linie (im StVO-Jargon auch als Zeichen 295 bekannt) gekennzeichnet bzw. von der Fahrbahn abgetrennt ist. Er darf von Autofahrerinnen und Autofahrern nicht mitbenutzt werden.

Anders sieht es beim sogenannten Schutzstreifen aus. Dieser ist durch eine gestrichelte Linie (Zeichen 340) gekennzeichnet und darf von Autofahrerinnen und Autofahrern mitbenutzt werden. Sowohl der Radfahrstreifen als auch der Schutzstreifen müssen von Radfahrern befahren werden. Bei Ersterem wird dies durch das blaue Schild mit dem weißen Fahrrad gekennzeichnet, bei Zweiterem ergibt sich die Benutzungspflicht durch das Rechtsfahrgebot auf der Fahrbahn.

Was ist mit Fahrradstraßen?

In immer mehr Städten gibt es zudem sogenannte Fahrradstraßen. Diese sind ganz allein Radfahrenden vorbehalten, wobei sie bei entsprechender Beschilderung auch für den Autoverkehr freigegeben sein können. Das Gute ist dann allerdings, dass auf einer Fahrradstraße immer der Radverkehr Vorrang hat. Autofahrer müssen sich hier so verhalten, dass sie den Radverkehr nicht beeinträchtigen.

Darf ich auch auf Gehwegen fahren?

Zu guter Letzt stellt sich bei vielen Radfahrerinnen und Radfahrern auch die Frage nach der Benutzung eines Gehwegs. Schließlich erscheint dieser oftmals als deutlich sicherer als ein schlecht gepflegter Radweg. Hier gilt allerdings, dass Gehwege generell nur von Fußgängerinnen und Fußgängern benutzt werden dürfen. Die Ausnahme bilden hier Kinder: Unter acht Jahren müssen diese auf dem Gehweg fahren, bis zehn Jahre dürfen sie einen Gehweg mitbenutzen.

Fazit

Trotz aller Unsicherheiten ist die Benutzung von Radwegen in der StVO also sehr klar geregelt. Der größte Reibungspunkt in der gemeinsamen Nutzung der Straßen durch Autofahrende und Radfahrende stellen wohl zwei Fälle dar: die Radwege ohne Benutzungspflicht sowie der Fall, dass sich ein benutzungspflichtiger Radweg in einem zu schlechten Zustand befindet. Die Lösung ist hier wie immer ein verständnisvolles Miteinander. Das endet allerdings – wie viele Radfahrerinnen und Radfahrer wissen – oftmals in einem Hupkonzert.

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