Besuch bei Selle Royal: Den idealen Sattel finden Werner Müller-Schell

Besuch bei Selle Royal: Den idealen Sattel finden

Werksbesuch bei Selle Royal Besuch bei Selle Royal: Den idealen Sattel finden

Das Finden eines passenden Fahrradsattels ist eine komplexe Angelegenheit. Der Hersteller Selle Royal hat dafür nun ein einfaches System entwickelt. Ein Besuch vor Ort.

Der markante Duft von frisch verarbeitetem Synthetikmaterial ist allgegenwärtig, während im Hintergrund der hämmernde Lärm der Maschinen die riesige Fabrikhalle erfüllt. Von einer Fertigungsstation zur nächsten folgen wir dem gerade erst ausgestanzten Sattelbezug, immer der Nase nach. Vorbei an Metallgestängen und Kisten voller Nieten – so lange, bis wir schließlich an einer Box mit frischen Sattelrohlinge vorbeikommen. "Hier fehlen nur noch das Gestell und das Finish – dann sind die Sättel bereit dafür, verpackt und in die ganze Welt hinausgeschickt zu werden", erzählt Davide Pigato. Er ist seit sechs Jahren Produktionsmanager bei Selle Royal. Der italienische Sattelhersteller hat uns an seinen Hauptsitz in die 3.000-Seelen-Gemeinde Pozzoleone eingeladen, bei einem Rundgang durch die Fabrik dürfen wir hautnah erleben, wie ein Fahrradsattel entsteht. Bis zu 25.000 Sättel werden hier jeden Tag produziert, viele Arbeitsschritte werden nach wie vor in Handarbeit durchgeführt. "Insgesamt haben wir mehr als 80 Sattelmodelle im Sortiment – für die verschiedensten Einsatzzwecke. Die meisten werden hier produziert", erklärt Pigato, während er auf ein Regal mit verschiedenen, bereits ausgestanzten Obermaterialen zeigt.

Werner Müller-Schell

Mehr als 80 verschiedene Fahrradsättel für die verschiedensten Einsatzzwecke – der Italiener deutet damit bereits den Hauptgrund an, warum Selle Royal zur Werksführung an den Firmenhauptsitz gerufen hat. Denn mit einer groß angelegten Neu-Ausrichtung der Marke will man Antworten auf eine Frage liefern, die sich viele Radfahrerinnen und Radfahrer stellen: Welcher Fahrradsattel ist der richtige für mich? "Das ist in der Tat eine sehr komplexe Frage. Eine, die für viele Kundinnen und Kunden oftmals unlösbar ist, wenn sie sich einen neuen Sattel kaufen wollen", erklärt Lara Cunico. Die Selle-Royal-Marketingleiterin ist ebenfalls beim Fabrikrundgang mit dabei und gibt dabei Einblicke in das Feedback, das man als Sattelhersteller von den Nutzerinnen und Nutzern regelmäßig bekommt. "Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Anatomie, zudem gibt es verschiedene Einsatzzwecke. Aus diesem Grund haben wir uns ein System überlegt, das die Wahl des richtigen Sattels erleichtern soll", fährt sie fort.

Die Fahrposition als Geheimnis

Das System, von dem Cunico spricht, soll einen Großteil aller Radfahrerinnen und Radfahrer beim Kauf dabei unterstützen, den richtigen Sitz zu finden. Die Idee dahinter ist simpel: Ein dreistufiges Filter-Verfahren führt durch das Sattel-Sortiment, wobei die Filter so gewählt wurden, dass ein Großteil aller Radfahrenden erfasst wird. "Für uns startet die Sattelsuche damit, den prinzipiell Einsatzzweck festzulegen. Will ich meinen Sattel für gelegentliche Fahrten in der Stadt nutzen? Suche ich ein Allround-Modell, das auch auf Touren eine gute Figur abgibt? Oder soll es sich eher um ein sportliches Modell für längere Ausfahrten handeln?", erklärt die Pressesprecherin und verweist damit auf Filter Nummer eins: So lässt sich die Mehrheit aller Selle-Royal-Modelle in genau diese drei Kategorien einteilen – im Geschäft leicht an den verschiedenen Verpackungsfarben Gelb, Blau und Grün zu erkennen.

Werner Müller-Schell

Der zweite Auswahlschritt ist dann die gewünschte Fahrposition. Drei unterschiedliche Sitzpositionen unterscheidet man bei Selle Royal – alle drei haben einen Einfluss auf die richtige Sattelwahl. Wer beispielsweise beim Fahren in einem athletischen Winkel von 45 Grad sitzt, braucht ein sportlicheres Modell. Eine moderate Sitzposition von 60 Grad ergibt einen Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort. Und eine aufrechte Position mit einem Winkel von 90 Grad benötigt besonders viel Polsterung für die Sitzknochen. "Die Fahrposition ist der entscheidende Faktor bei der Wahl eines optimalen Sattels. Je nach Fahrstil variiert die Art und Weise, wie die Sitzknochen auf dem Sattel aufliegen, erheblich. Und das wirkt sich folglich auf den Komfort aus", sagt Cunico. "Stimmt der Sitzwinkel nicht, kann es zu Beschwerden kommen", ergänzt sie.

Es kommt auf jeden Millimeter an

Die Sitzposition als entscheidendes Element für die Sattelwahl – um dies zu untermauern, hat die italienische Firma, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 1956 zu einem der größten Sattelhersteller der Welt entwickelt hat, in der Vergangenheit unter anderem zusammen mit der Deutschen Sporthochschule in Köln eine große Ergonomie-Studie durchgeführt. Deren Kernaussage: Die Sitzposition sowie der Sitzknochenabstand sind die wichtigsten Eckpunkte zur Bestimmung des richtigen Sattels. Passen Anatomie und Sitz zueinander, sind klassische Beschwerden wie Druckstellen oder Taubheitsgefühle im Dammbereich erheblich unwahrscheinlicher. "Ein spannendes Ergebnis dieser Studie war beispielsweise, dass die anatomischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern oftmals vernachlässigbar sind. Es kommt viel mehr auf die oben genannten Faktoren und Maße an", so Cunico, die in diesem Zusammenhang die "Scientia"-Linie erwähnt, die auf den Ergebnissen jener Studie basiert.

Sind der Satteltyp und die Sattelform bestimmt, kommt der dritte Schritt bei der Auswahl des richtigen Fahrradsattels zur Anwendung: die Auswahl der speziellen Satteleigenschaften. So gibt es beispielsweise Sättel mit einer besonders hohen Robustheit des Obermaterials, wasserfeste Sättel, die sich nicht bei Regen vollsaugen oder Sättel mit integriertem Tragegriff. "Es gibt so viele unzählige Fahrradsättel, aber wenn man diese drei Schritte beim Kauf beachtet, kann man die Auswahl sicherlich stark eingrenzen", betont Cunico, die in diesem Kontext auch die anderen Marken der Firmengruppe ins Spiel bringt: "Rennradfahrerinnen und Rennfahrer haben wiederum andere Bedürfnisse – diese holen wir mit unseren Sätteln der Marke Fizik ab. Und Touren- und Vintage-Fans greifen oftmals zu unseren Brooks-Sätteln."

Sitzknochenvermessung für Detailverliebte

Sollte dennoch der richtige Sattel nicht gefunden werden können, sei eine Sitzknochenvermessung und eine Satteldruckmessung im Fachgeschäft ratsam. Diese werde bei Selle-Royal-Händlern beim Kauf eines Sattels auf Wunsch durchgeführt, wobei der genaue Abstand der Sitzknochen und damit die richtige Sattelbreite bestimmt werden. Wie so eine Vermessung abläuft, wird uns zum Abschluss der Werksführung in Pozzoleone vom Selle-Royal-Biomechanik-Ingenieur Gianluca Di Claudio präsentiert: Auf einem Testfahrrad ist ein Fahrradsitz mit verschiedenen Sensoren beklebt. Am Computer wird dann ausgewertet, wie die Fahrerin oder der Fahrer auf dem Rad sitzt und welche Zonen der Sitzknochen besonders viel Druck abbekommen. Di Claudio macht uns dabei auf einen Faktor aufmerksam, der ebenfalls zu Sitzproblemen führen kann – selbst, wenn man den perfekten Sattel ausgewählt hat: ein falsch montierter Sitz. Dies könne etwa passieren, wenn der Sattel zu weit nach oben geneigt oder leicht zur Seite verdreht sei. Pigato lacht: "Der beste Sattel der Welt kann der schlimmste Sattel der Welt sein – wenn das Setup falsch ist."

Werner Müller-Schell

Schritt-für-Schritt: Die Auswahl des richtigen Sattels

1

Den Einsatzzweck bestimmen

Für welchen Einsatzzweck benötige ich den Sattel? Soll der Sattel eher für gelegentliches Radfahren in der Stadt oder für ausgedehnte Touren verwendet werden?

2

Die Sitzposition bestimmen

Sitze ich eher sportlich oder eher aufrecht auf meinem Fahrrad? Oder benötige ich Modell, das in der Mitte zwischen beiden Welten liegt?

3

Die Eigenschaften bestimmen

Soll mein Sattel besondere Eigenschaften aufweisen? Brauche ich etwa einen wasserdichten Sattel? Oder einen Sattel mit Tragegriff, um das Fahrrad einfacher zu transportieren?

Über Selle Royal

Seit 1956 gibt es Selle Royal bereits. Seitdem sich das italienische Unternehmen zu einem der größten Fahrradsattelhersteller der Welt entwickelt. Neben den Selle-Royal-Sätteln, die vor allem auf Citybikes und an Tourenrädern Anwendung finden, gehören auch die rennsportaffinen Sitze der Marke Fizik sowie die unter Tourenfahrerinnen und Tourenfahrer beliebten Sättel der britischen Marke Brooks zur Firmengruppe. Mit Pedaled (Fahrradbekleidung), Crankbrothers (Komponenten) und Pannier (Online-Shop für Radreisende) gibt es darüber hinaus noch zwei weitere Marken, die zur Selle Royal gehören. Produziert wird dabei nicht nur in Pozzoleone, sondern auch in Brasilien, China und England. Mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen zur Firma. Sie sind für die Herstellung von über 80 Sattelmodellen verantwortlich.

Zur Startseite
Bike Bike Woom 3 Automagic Standbild mit Testfahrerin Woom 3 Automagic Kinderfahrrad von Woom mit Automatik-Schaltung

Noch mehr Spaß mit noch mehr Speed: das neue Woom 3 Automagic.