Ajuntament de Barcelona

Fahrradstadt Barcelona - Heimat der Superblocks

City Check: Barcelona Super Blocks!

Barcelona gilt als eine der fahrradfreundlichsten Städte weltweit. Besondere Beachtung findet das Konzept der Superblocks. Wir erklären was das ist, und warum diese Idee wegweisend für eine lebenswertere Stadt sein kann.

Zu viel Verkehrslärm, zu viele Abgase, zu viele Autos, zu wenig Lebensqualität und Platz für die Menschen. Barcelona teilte dieses Schicksal mit so ziemlich allen Großstädten weltweit. Doch die katalanische Metropole hat sich für einen ganz besonderen Weg entschieden, die Stadt wieder lebenswerter für ihre Anwohner zu machen. Die Superblocks. Die Idee: Jeweils neun Häuserblöcke werden zu einem so genannten Superblock zusammengefasst, der einen Straßenblock mit einer Seitenlänge von cirka 400 mal 400 Metern umfasst. Innerhalb eines Superblocks ist der motorisierte Verkehr großteils auf Anwohner, Lieferanten und Rettungsfahrten beschränkt. An jeder Kreuzung im Superblock muss motorisierter Verkehr abbiegen, die Höchstgewschwindigkeit beträgt 10 Km/h. Ziel ist es, motorisierten Durchgangsverkehr zu vermeiden, Fahrten in einen Block sollen sich nur noch lohnen, wenn sich dort Start oder Ziel befinden. Motorisierter Durchgangsverkehr zirkuliert um die Superblocks herum.

Durch diese Einschränkungen wurden inenrhalb der Superblocks bis zu 70 Prozent der Flächen, die bisher von Autos und Transportern benutzt wurden, für Fußgänger und Fahrräder frei. Der Radverkehr ist im Superblock in alle Richtungen frei, Radfahrer können die Superblocks ohne Einschränkungen durchqueren. Wichtig: Entlang der Hauptstraßen sind Straße, Radwege und Fußwege konsequent von einander getrennt. Außerdem sind an den Hauptstraßen entlang der Superblocks Bushaltestellen so platziert, dass sie aus dem Superblock in maximal 500 Meter Fußweg zu erreichen sind.

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Die Idee der Superblocks

Dabei war die Ausgangslage in Barcelona schwierig: Mit 1,6 Millionen Menschen ist das Stadtgebiet dicht besiedelt, darum gab es nur 2,7 Quadratmeter Grünfläche pro Kopf. Mit rund 5 Millionen Menschen in der Metropolregion nahm der motorisierte Verkehr auch im Stadtgebiet immer stärker zu. Als Folge litt die Stadt unter einem besonders starken Wärmeinsel-Effet: mindestens 3 Grad, teilweise bis zu 8 Grad höhere Temperaturen als im Umland waren eine der Folgen. Die Idee der Superblocks stammt bereits aus dem Jahr 1987, um den Verkehrslärm in den Vierteln zu reduzieren, ohne den Verkehr in der gesamten Stadt zu beeinträchtigen. Die Wege per Fahrrad und zu Fuß sollten zunehmen, der motorisierte Verkehr abnehmen.

Das interessante am Konzept der Superblocks ist der ganzheitliche Ansatz. Denn es geht hier um die Bedeutung des öffentlichen Raums, und von wem dieser in einer Stadt genutzt werden sollte: Ist Öffentlicher Raum nur da, um sich fortzubewegen, oder haben Bürger das Recht und den Wunsch, Kultur, Freizeit und Austausch in diesem öffentlichen raum stattfinden zu lassen? Darum war von Anfang ein ein wichtiger Aspekt bei der Umsetzung der Superblocks die aktive Teilhabe der Anwohner.

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Was bringen die Superblocks?

Und heute? Im Jahr 2017 wurde der Superblock Poblenou umgesetzt und seitdem die Auswirkungen für die Anwohner ausführlich untersucht. Die Stadt Barcelona nennt unter anderem diese positiven Auswikungen:

  • der öffentliche Raum in dem Viertel hat sich verdoppelt
  • der motorisierte Verkehr sank von 2218 auf 932 Fahrten pro Tag
  • die von Autos belegte Fläsche sank um 48%
  • die Fußgängerbereiche wurden um 80% vergrößert
  • Grünflächen haben sich fast verdoppelt
  • die Zahl der Geschäfte stieg im Superblock um 30% von 65 auf 85
  • es gibt so gut wie keine Verkehrsunfälle mehr im Superblock Poblenou

Das Konzept der Superblocks führt also nicht nur zu mehr und sichererem Radverkehr, es gestaltet große teile des Öffentlichen Raums in der Stadt komplett neu. Die Wohnviertel werden lebenswerter, die menschen verbringen wieder Zeit auf "ihrer" Wohnstraße – das lässt sich vor allem an der Zunahme von geschäften in den Superblocks, mehr Spielplätzen und mehr Menschen auf der Straße ablesen. Damit ist der Superblock also eine super sache, auf die andere Städte neidisch sein können. Müssen sie aber nicht, denn das Konzept funktioniert nicht nur in Barcelona.

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Funktioniert so ein Superblock auch in meiner Stadt?

Der große Vorteil des Konzepts der Superblocks: Es kann an jede städtische Struktur angepasst werden, die Straßen müssen nicht wie in Barcelona in einem geometrischen Schachbrettmuster angeordnet sein. Daher wurde das Konzept schon in mehreren Städten umgesetzt, unter anderem Buenos Aires und Vancouver. In Berlin und New York wird die Machbarkeit geprüft. Damit ein Superblock funktioniert, sind diese Punkte entscheidend:

  • Einbindung der Anwohner, eine Begleitgruppe mit Befürwortern und Skeptikern begleitet den Prozess und kann bei Bedarf nachjustieren
  • Priorisierung vom KFZ-Parkplätzen für Anwohner, Parkplätze für Nicht-Anwoner werden reduziert und die Parkgebühren angehoben
  • Umwandlung der frei gewordenen Parkplätze für Busspuren und Radwege
  • Umwidmung von Straßenraum in Aufenthaltsflächen für Menschen
  • an den angrenzenden Hauptstraßen Optimierung gut erreichbarer Bushaltestellen und Einrichten geschützter Radwege
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